Veranstaltung: | Landesmitgliederversammlung 29. - 30. März 2025 |
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Tagesordnungspunkt: | 5. Leitantrag |
Antragsteller*in: | Landesvorstand GJ MV (dort beschlossen am: 27.02.2025) |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 27.02.2025, 20:35 |
A3: Vielfalt im System – Zwischen Fortschritt und strukturellen Grenzen
Antragstext
Wir, als GRÜNE JUGEND Mecklenburg-Vorpommern, setzen uns stets mit der
systemischen Ebene von gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Echte
Vielfalt, die alle sieben Kerndimensionen - Alter, ethnische Herkunft und
Nationalität, Geschlecht und geschlechtliche Identität, körperliche und geistige
Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und soziale
Herkunft - umfasst, ist in einem kapitalistischen und neoliberalen System nicht
realisierbar. Statt sozialer Gerechtigkeit dominieren wirtschaftliche Interessen
zu oft die Entscheidungsprozesse, wodurch strukturelle Diskriminierung weiter
bestehen kann. Die Folge davon ist die Konzentration von Macht und Ressourcen in
den Händen weniger großer Konzerne. Dieser Zustand erschwert es, Utopien,
Lebensweisen und eine echte solidarische Gemeinschaft zu entwickeln, die nicht
primär auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Dadurch wird die Vielfalt in
Bereichen wie Medien, Bildung und Jugendkultur zunehmend eingeschränkt. Zwar
sind Verbesserungen der Lebensumstände für Individuen innerhalb dieses Systems
möglich, jedoch beseitigen sie nicht die grundlegenden Mechanismen, die
Ungleichheit und Unterdrückung aufrechterhalten.
In den letzten Jahren wurden einige gesellschaftspolitische Fortschritte
erzielt, die die Lebensrealitäten vieler Menschen verbessert haben. Doch
einzelne Errungenschaften wie die „Ehe für Alle“ oder die Frauenquote bedeuten
keine kollektive Befreiung von marginalisierten Gruppen. Sie gleichen
individuelle Benachteiligungen in einem bestehenden System aus, ohne dessen
strukturelle Diskriminierung grundlegend zu verändern.
So stellt die „Ehe für Alle“ gleichgeschlechtliche Paare formal mit
heterosexuellen Paaren gleich, erzwingt aber weiterhin die Anpassung an ein
traditionelles, heteronormatives Familienmodell. So auch das neue
Selbstbestimmungsgesetz, es bringt Erleichterungen für trans* Personen, indem es
den bürokratischen Prozess der Personenstandsänderung vereinfacht, lässt jedoch
weiterhin strukturelle Barrieren und gesellschaftliche Diskriminierung
unangetastet. Beispielsweise bleibt der Zugang zu medizinischer Versorgung für
trans* Menschen oft erschwert, und gesellschaftliche Akzeptanz kann nicht allein
durch gesetzliche Änderungen erzwungen werden. Diese Veränderungen sind
essentiell, da sie das Leben vieler Menschen konkret erleichtern, jedoch dürfen
sie nicht das Ende unseres politischen Handelns sein.
Unser Ziel muss es sein, ein System zu gestalten, das eine echte Vielfalt
ermöglicht und nicht nur Anpassungen innerhalb bestehender Strukturen vornimmt.
In Zeiten des Rechtsrucks - Vielfalt verteidigen, Demokratie stärken
Was wir seit Jahren erleben, ist eine Verschiebung des politischen und
gesellschaftlichen Diskurses nach Rechts. Dies bedeutet eine reelle Gefahr für
marginalisierte Gruppen dieser Gesellschaft. Dass der Abbau der Demokratie mit
der Einschränkung von Vielfalt zusammenhängt, erleben wir ganz faktisch in den
USA, wo ein faschistischer und rechtsextremer Präsident regiert, der nur noch
zwei Geschlechter anerkennt.
Und das erleben wir bei uns, besonders in der aktuellen Migrationsdebatte. Das
Instrumentalisieren von geflüchteten und migrantisierten Menschen spielt vor
allem der AfD in die Karten, schürt Vorurteile und spielt Gruppen innerhalb der
Gesellschaft gegeneinander aus. Wenn wir über eine Verschiebung nach Rechts
sprechen, müssen wir uns auch mit unserer Parteien auseinandersetzen. Denn auch
die Grünen haben in den letzten Jahren Entscheidungen mitgetragen, die wir als
GRÜNE JUGEND verurteilen. Genau da müssen wir laut bleiben und aufzeigen, wie
eine progressive, solidarische und menschenrechtsorientierte Politik aussehen
kann.
Wir widersetzen uns Rechtsextremist*innen und Faschist*innen, wir verteidigen
die Demokratie, denn das ist auch der Kampf für ein vielfältiges Leben.
Treat every Crisis - Vielfalt und die Klimakrise
In einer Zeit multipler Krisen erleben wir zunehmend wie eine dieser Krisen
hintenüber fällt - die Klimakrise. Selbst im Wahlkampf, in dem es besonders um
die Themen geht, die in den folgenden 4 Jahren gesetzt werden, wurde die globale
Erderwärmung und was wir dagegen tun, viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt.
Dabei ist es besonders jetzt unabdingbar über das Klima zu sprechen, in einer
Zeit des Rechtsrucks und eines zurückkehrenden Faschismus.
Denn um den Klimawandel zu bekämpfen, brauchen wir eine starke Demokratie. Und
nicht nur die Demokratie, sondern auch ganz konkret eine effiziente und sozial
gerechte Klimapolitik, brauchen wir, um vielfältiges und diverses Leben zu
ermöglichen. Während wir, im Zusammenhang mit der Klimakrise, oft noch über
Zukunftszenarien sprechen, betrifft sie bereits jetzt und schon seit Jahren ganz
konkret die Lebensrealitäten von Tausenden Menschen. Besonders für die "Most
Affected People and Areas" (MAPA), also die am stärksten betroffenen Menschen
und Gebiete, wie etwa der globale Süden bedeuten die Auswirkungen der Klimakrise
bereits jetzt eine existenzielle Bedrohung. Sie leiden unter extremen
Wetterereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen, die zu
Ernteausfällen, Wassermangel, Vertreibung und wirtschaftlichen Verlusten führen.
Diese Regionen sind oft am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich, tragen
aber die schwersten Folgen, was bestehende soziale und ökonomische
Ungleichheiten weiter verschärft und die Anpassungsfähigkeit dieser
Gemeinschaften stark herausfordert. Zudem sind sie im internationalen Diskurs
über den Umgang dieser Krise gegenüber Stimmen des globalen Nordens
unterrepräsentiert. Die Klimakrise ist also auch ganz konkret eine
Gerechtigkeitskrise.
Aber auch in Deutschland haben die Folgen der Klimakrise zunehmend Auswirkungen
auf das Leben der Menschen. Besonders die vulnerablen Gruppen wie Kinder,
chronisch kranke, sozial benachteiligte und ältere Menschen sind von den Folgen
der Klimaveränderungen stärker betroffen. Sie leiden unter Hitzewellen, die
gesundheitliche Risiken erhöhen, haben oft weniger Ressourcen zur Anpassung an
extreme Wetterereignisse und sind anfälliger für die indirekten Folgen wie
steigende Lebensmittelpreise oder Versorgungsengpässe.
Das heißt: Wir können keine vielfältige Gesellschaft gestalten, ohne die
Klimakrise mitzudenken!
Konkrete Handlungsoptionen – Utopien entwerfen und geschützte Räume schaffen
Als Grüne Jugend Mecklenburg-Vorpommern setzen wir uns nicht nur kritisch mit
den bestehenden Verhältnissen auseinander, sondern entwickeln aktiv Visionen für
eine gerechtere Zukunft. Unser Ziel ist es, Alternativen aufzuzeigen, die
Vielfalt tatsächlich ermöglichen und fördern.
Dabei sind wir uns unserer eigenen Privilegien bewusst: Während wir über
Systemalternativen nachdenken können, bedeutet das bestehende System für viele
Menschen konkrete Diskriminierung, Benachteiligung und Gefahr. Deshalb sehen wir
es als unsere Verantwortung, im Hier und Jetzt geschützte Räume zu schaffen.
Besonders in Ostdeutschland, in Mecklenburg-Vorpommern und in ländlichen
Gebieten mangelt es an vielfältigen und sicheren Orten für junge Menschen. Wir
wollen Strukturen auf- und ausbauen, in denen sich alle wiederfinden,
weiterbilden, Gleichgesinnte treffen, Freundschaften schließen und Hoffnung
schöpfen können.
Das bedeutet: Wir vernetzen junge Menschen auf dem Land, schaffen kostengünstige
Freizeit- und Kulturangebote und schaffen soziale und inklusive Räume und
Treffpunkte.
Um dieses Ziel zu erreichen, möchten wir unter anderem unseren Kreisverbänden
einen Leitfaden zur Verfügung stellen. Dieser soll konkrete und
niedrigschwellige Handlungsvorschläge bieten, um Treffen und Strukturen diverser
und inklusiver zu gestalten. Diese Maßnahmen ergänzen notwendigerweise unser
übergeordnetes Ziel, ein gerechteres und vielfältigeres System zu verwirklichen.
Vielfalt ist für uns kein Selbstzweck, sondern eine grundlegende Voraussetzung
für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Wir kämpfen dafür, dass jede*r in
unserer Gesellschaft gleichberechtigt leben kann – nicht nur innerhalb
bestehender Systeme, sondern in einer gerechteren Welt, die wir gemeinsam
gestalten.
Antragstext (in leichter Sprache)
Vielfalt im System – Was geht und was nicht?
Wir sind die Grüne Jugend Mecklenburg-Vorpommern.
Wir sprechen über Politik und Gesellschaft.
Echte Vielfalt ist wichtig.
Vielfalt heißt:
Es gibt viele verschiedene Menschen.
Zum Beispiel:
- Junge und alte Menschen
- Menschen aus verschiedenen Ländern
- Frauen, Männer und nicht-binäre Menschen
- Menschen mit und ohne Behinderung
- Menschen mit verschiedenen Religionen
- Menschen mit verschiedenen Liebes-Beziehungen
- Menschen aus armen und reichen Familien
Aber:
In unserer Gesellschaft gibt es viele Probleme.
Die Wirtschaft ist oft wichtiger als Gerechtigkeit.
Das bedeutet:
Manche Menschen haben viel Geld und Macht.
Andere Menschen haben wenig Geld und Macht.
Deshalb gibt es immer noch Ungerechtigkeit.
Zum Beispiel in den Medien, in der Schule und in der Jugend-Kultur.
Es gibt zwar kleine Verbesserungen.
Aber die großen Probleme bleiben.
Ein Beispiel:
Es gibt jetzt die Ehe für alle.
Das heißt:
Jede*r kann jede*n heiraten
Aber:
Die Gesellschaft sagt immer noch:
Eine Familie ist nur gut, wenn es eine Frau und einen Mann gibt.
Noch ein Beispiel:
Es gibt ein neues Gesetz für trans* Menschen.
Jetzt ist es einfacher, den eigenen Namen und das Geschlecht zu ändern.
Aber:
Viele Probleme bleiben.
Zum Beispiel:
Ärztinnen behandeln trans Menschen oft schlechter.
Diese kleinen Veränderungen helfen.
Aber sie sind nicht genug.
Wir brauchen eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleich sind.
Rechte Parteien sind gefährlich für Vielfalt
In den letzten Jahren sind viele Menschen nach rechts gerückt.
Das bedeutet:
- Sie wollen nicht, dass alle Menschen gleich behandelt werden.
- Sie finden Vielfalt nicht gut.
- Sie sind gegen geflüchtete Menschen.
Ein Beispiel:
In den USA gibt es einen Präsidenten, der nur zwei Geschlechter erlaubt.
Er sagt:
Es gibt nur Männer und Frauen.
Das ist schlecht für trans* Menschen.
Auch in Deutschland gibt es Probleme.
Die AfD macht Politik gegen Vielfalt.
Sie sagt:
Geflüchtete Menschen sind schlecht.
Das ist falsch!
Aber viele Menschen glauben es.
Auch die Grünen haben manchmal Fehler gemacht.
Wir, die Grüne Jugend, wollen das ändern.
Wir sagen:
Politik muss gerecht sein!
Alle Menschen müssen gleich behandelt werden!
Klimakrise und Vielfalt
Die Klimakrise ist ein großes Problem.
Aber viele Politiker*innen sprechen nicht darüber.
Die Klimakrise betrifft viele Menschen.
Besonders Menschen in armen Ländern.
Dort gibt es oft:
- Dürren (kein Wasser)
- Überschwemmungen (zu viel Wasser)
- Stürme
Diese Menschen haben die Klimakrise nicht gemacht.
Aber sie leiden am meisten.
Auch in Deutschland gibt es Probleme.
Zum Beispiel:
- Sehr heiße Sommer sind gefährlich für alte Menschen.
- Essen wird teurer.
- Manche Menschen können sich kein gutes Leben mehr leisten.
Das bedeutet:
Wir müssen die Klimakrise bekämpfen!
Sonst gibt es keine gerechte Gesellschaft.
Was wir tun wollen
Wir wollen nicht nur über Probleme reden.
Wir wollen auch Lösungen finden.
Wir wissen:
Wir haben Glück.
Wir sind nicht arm.
Wir haben keine Angst vor Gewalt.
Aber viele andere Menschen haben Angst.
Deshalb wollen wir sichere Orte schaffen.
Besonders für junge Menschen in kleinen Dörfern.
Das heißt:
- Wir machen Freizeit-Angebote für junge Menschen.
- Wir helfen jungen Menschen, sich zu treffen.
- Wir schaffen Orte für alle.
Wir wollen, dass alle Menschen sich wohlfühlen.
Niemand soll Angst haben.
Alle sollen gleich behandelt werden.
Vielfalt ist wichtig für Demokratie.
Vielfalt ist wichtig für Gerechtigkeit.
Dafür kämpfen wir!
Änderungsanträge
- Ä1 (KV Vorpommern-Greifswald (dort beschlossen am: 11.03.2025), Eingereicht)